Nach Hause kommen …

… in die Klinik. Als ich am 23.1.2013 das erste mal einen Fuß in die Klinik gesetzt habe, sah ich ein altes, 3-geschössiges Rotklinker-Haus, auf dessen Eingang in weißen Buchstaben „Psychosomatische Tagesklinik“ zu lesen war. Ich versuchte immer noch, zu realisieren, das es wohl für die nächsten drei oder vier Wochen meine tägliche Anlaufstelle sein würde – und nicht die Arbeit. Bis ich so weit war, das ich nicht jeden morgen daran denken musste, das ich nicht auf der Arbeit bin, hat es schlappe 3 Wochen gedauert. Und der Klinik-Aufenthalt hat sich auf insgesamt 10 Wochen erhöht. Und nicht eine einzige Woche davon möchte ich missen. Das war – nach langer Zeit – mal wieder ein Gefühl von zu Hause. Auch, wenn es nur von 8:00 bis 16:00 Uhr war. Ein Zuhause, voll mit Menschen, die alle ihre Probleme hatten – aber doch untereinander ein Maß an Verständnis aufbrachten, das nahezu Beispiellos war.

Auch, wenn wir schon entlassen wurden – wir haben uns trotzdem noch einige male in der Klinik auf einen Kaffee getroffen, uns erzählt wie es uns ergangen ist – und wie schön es doch war, als wir noch unser behütetes Leben in der Klinik hatten, mit unserem festen Tagesablauf, dem Zwang sich der Krankheit zu stellen und sogar „Feinkost Eilbek“ (Insider). Es war jedes mal wieder ein schönes Gefühl, dorthin zu kommen – und sogar des Öfteren noch einmal ein bekanntes Gesicht zu sehen und ein paar Worte zu wechseln.

Das ist mittlerweile zwar etwas eingeschlafen – aber mit einigen Leuten treffe ich mich immer noch oder halte zumindest etwas Kontakt. Eigentlich alle, mit denen ich Kontakt habe, sind mittlerweile wieder in ihr altes Leben zurück gekehrt – zur Schule, zurück an die Arbeits-Stelle oder sogar Schritte in ein neues Arbeitsleben getan. Ich war eigentlich der einzige, der noch krank geschrieben war. Zu unsicher, ob mein Maß an selbst-Erkenntnis schon reichte, mich in mein altes Leben zu stürzen. Angst davor, wieder in die selben, schädlichen Verhaltensmuster zu verfallen. Und trotzdem habe ich erste Schritte getan, mein berufliches Leben zu ändern – inwieweit das realisiert werden kann, weiß ich noch nicht. Aber die unterschwellige Angst und die Selbstzweifel waren trotzdem da. Stelle ich mich bloß an? Kann ich nicht eigentlich mal wieder Arbeiten?

Nach unserem letzten Treffen am Wochenende sieht das Bild für mich wieder etwas anders aus. Von den 4 Leuten, mit denen ich mich getroffen habe, sind zwei kurz davor, wieder in die Klinik zu kommen. Einerseits fühle ich mich dadurch wieder etwas bestätigt – es ist wohl doch eine gute Idee, das ganze eher langsam anzugehen. Aber andererseits … Es betrübt mich, das die beiden so einen Rückschlag erlitten haben – wo der Anfang bei beiden sehr positiv ausgesehen hat.

Und außerdem – Wenn ich wieder in meinem Job bin … Werde ich den Stress  rechtzeitig bemerken und gegensteuern können? Oder lande ich wieder in meinem alten Verhalten? Innerlich leer – und abseits der Arbeit kein Leben mehr?

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2 Gedanken zu “Nach Hause kommen …

  1. In eine Klinik zu gehen und damit die vertraute Umgebung zu verlassen und überhaupt nicht zu wissen, auf wen und was man sich da einlassen wird, ist für mich ja eine ganz gruselige Vorstellung. Aber so wie du es beschreibst… andere kennenzulernen, mit denen man sich nicht alleine auf seinem eigenen Planeten fühlt… hhmm…

  2. Ich finde Du hast das richtig gemacht, nur Du kannst für Dich selbst entscheiden, was für Dich gut ist, wann Du wieder für das „volle Leben“ bereit bist. Ich denke mit der Zeit wirst Du selbst erkennen, wo Deine Grenzen sind, wann Du sagen musst,bis hier und nicht weiter. Ich wünsche Dir vom Herzen alles Gute, wenn Du soweit bist, um diesen Schritt zu tun.

    Liebe Grüße

    Bianca

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