Das Wikipedia-Syndrom – Die Rückkehr

Montag, 14.10.2013 – Irgendwo in Norderstedt …

Habe gerade wieder eine sehr schöne Sitzung bei meiner Therapeutin gehabt. Wir haben über Schritte gesprochen, die für die Rückkehr ins Berufsleben notwendig sind, meine Ängste und (Selbst-) Zweifel davor. Wann der richtige Zeitpunkt sein könnte. Was wir vorher noch abarbeiten müssen. Alles in allem: Wir haben uns eine Stunde schön unterhalten, ich habe viel zum Nachdenken mitgenommen – das muss mir nur noch gelingen. Nach der Stunde bin ich noch etwas durch die angrenzenden Geschäfte geschlendert, habe noch etwas die Sonne im Park nebenan genossen.

Bis mich mein Handy darauf aufmerksam machte, das gerade eine E-Mail angekommen ist … Kurz nachgesehen: Eine Mail von meiner Therapeutin. Ob ich zum nächsten mal den anhängenden Fragebogen mal ausgefüllt mitbringen kann. Den Anhang auch noch herunter geladen – oh ha, 7 Seiten Fragen – einige schon sehr „psychologisch“. Alle zum Ankreuzen – mit „Ja“ oder „Nein“. Nach kurzen überfliegen komme ich zu dem Schluss, das bei etlichen eindeutig noch „Woher zum Geier soll ich das wissen?“ „Vielleicht“ fehlt. Aber gut – ich habe in diesem Jahr schon so viele Fragebögen ausgefüllt – einer mehr fällt da überhaupt nicht auf.

2 Tage später …

Treffe mich mit einer Freundin aus der Klinik … Sind ein bissl am klönen, waren lecker Eis essen und haben uns hinterher noch einen schönen Kaffee gegönnt. Nebenbei zeige ich ihr meinen neuesten Fragebogen. Sie schaut drüber – ich hab gerade mein Handy in der Hand …. Also kann ich doch mal schauen, was der Titel vom Fragebogen bedeutet. „SKID-II“ sagt mir so mal überhaupt nichts. Skid Row (HardRock-Band aus dem letzten Jahrtausend) kenne ich – aber ich bezweifle, das die auch mal in Psychologie gemacht haben. Während ich so schaue, was Bing mir da an Ergebnissen liefert, nimmt Kaddi mir mein Handy weg und löscht die Suche. „Das brauchst nicht zu wissen – füll erstmal den Bogen aus, sonst beeinflusst du dich nur selber!“ meint sie.

Als ich dann später auf dem Heimweg bin, schaue ich dann doch nach – „SKID-II“ bedeutet nichts banaleres anderes als „Strukturiertes Klinisches Interview für DSM-IV, Achse 2“. Ach so … Alles klar. Warum nicht gleich so. Und was soll das nun bedeuten?

Okay – um es kurz zu machen: Nach einigem Suchen, viel Lesen und einer Zwangspause, weil mein Akku schon etwas schlapp war, bin ich dann darauf gestoßen: Es geht um die Diagnostizierung von Persönlichkeits-Störungen und geistigen Behinderungen. Ach so. Alles klar. Mehr wollte ich nicht wissen.

Noch 1 Tag später …

Vor, Während und Nach einer nicht wirklich erholsamen Nacht ziehen die Gedanken mal wieder ihre Kreise. Der Bereich Persönlichkeits-Störungen ist ja recht weit gefasst – wer mehr wissen möchte, muss mal bei Wikipedia nachsehen. Depressionen und Angststörungen hab ich schon – was, wenn da jetzt noch was zu kommt? Könnte ja sein – Bisher bin ich nur wegen den beiden Sachen behandelt worden. Und wenn da noch etwas ist – was?? Schlimm? Schlimmer?? Am Schlimmsten??? Ich habe nach Auswertungs-Erklärungen für besagten Fragebogen gesucht – und nichts gefunden.

Und ich habe die Suche jetzt auch eingestellt. Zumindest vorläufig. Denn, was auch immer dabei rauskommen mag – oder eben auch nicht – es wird mir hoffentlich dabei helfen, mich wieder ein bisschen mehr zu verstehen. Ebenfalls hoffe ich, das es meiner Behandlung zu gute kommen wird. Auf jeden Fall aber wird es dem Gedanken-Karussell einiges an Fahrt nehmen – und wieder etwas mehr Licht in die geistige Ungewissheit bringen. Bestimmt.

Nachtrag:

Einen weiteren Tag später …

Auszug aus einer Mail an eine liebe Bekannte:

„Ich hab noch nicht mal Angst vor dem, was da möglicherweise bei rauskommen könnte – es wird so oder so nix bei rauskommen, mit dem ich nicht ohnehin schon leben muss. Was mich – Gedanken-Karussell sei dank – momentan von so ziemlich allem abhält, ist die Ungewissheit.
Als ich in die Klinik kam, und die Therapeutin zu mir sagte. Depression, Angststörung, (ich glaube das dritte fiel unter sozialer Rückzug) – da war zwar nicht schlagartig wieder alles gut. Aber ich wusste immerhin: Ich hab nicht bloß einen an der Waffel – das übel hatte dann endlich mal einen Namen. Nu ist das irgendwie wieder ungewiss.
Wie gesagt – eigentlich ist es Blödsinn, sich darüber überhaupt einen Kopf zu machen. Wenn da denn rauskommen sollte, das ich narzisstischer, manisch-depressiver Borderliner mit einem Hang zum Autismus hab – Oder mir schlichtweg nur ein paar Latten am Zaun fehlen … Dann ist das eben so. Bin dann ja niemand anders – und werde damit auch weiter leben müssen. 😉
Aber sag das mal wer meinem armen, kleinen Hirn ^^“
Und noch einen Tag später …
So …. Besagter Fragebogen ist jetzt ausgefüllt – und sicher in meiner Tasche verstaut. Draußen lacht die Sonne – es kann ein schöner Tag werden. Ich muss ihm nur die Chance geben,
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2 Gedanken zu “Das Wikipedia-Syndrom – Die Rückkehr

  1. Die Suche nach einer Diagnose ist wirklich kompliziert. Und die einzig wahre Frage ist für mich völlig ungeklärt: Werde ich schneller oder nachhaltiger „gesund“ (oder „normal“…), wenn ich erst einmal die richtige Diagnose habe? Gibt es überhaupt eine glasklare Diagnose, die haargenau auf mich passt? (Ist das eigentlich bei somatischen Krankheiten auch so kompliziert? Wird da erst einmal genau festgestellt, was für eine Art Beinbruch das ist?)
    Ich wünsche dir viel „Erfolg“ und vor allem ganz viel, was guttut 🙂

  2. Dankeee 🙂
    Das ist ja leider das generelle Problem bei psychischen, psychosomatischen oder neurologischen Erkrankungen. Für mich selber macht es erst einmal keinen Unterschied, ob ich nun Depressionen, Angststörungen oder Borderline hab – oder auch ne bunte Mischung. Die Übergänge können da durchaus fließend sein. Außer, das mir ein bekannter Gegner lieber ist als ein unbekannter.
    Für die Behandlung macht das einen großen Unterschied – Weil die Therapeuten schon wissen müssen, was nun das Hauptproblem ist. Depressionen können auch Aufgrund einer Borderline-Persönlichkeitsstörung auftreten. Oder alleine. Alles nicht so einfach 🙂
    An eine wirkliche Heilung glaube ich allerdings nicht wirklich – vielleicht mag das beim einzelnen so sein. Bei mir ist es aber so, das ich schon so lange mit Depressionen lebe, das diese wiederkehrend sind. Insofern kann ich lernen, damit zu leben. Aber leben muss ich mit denen.
    Was die Diagnose angeht – der werde ich mal einen eigenen Artikel widmen. Aber das ist natürlich schon schwieriger als ein Knochenbruch. Der kann gebrochen sein. Oder nicht. In der Psychologie ist das ganze eher fließend. 🙂

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