Heute vor einem Jahr

Heute ist ein besonderer Tag. Es ist hier zwar gerade – genau wie vor einem Jahr – saukalt, grau, windig und sieht überhaupt recht ungemütlich aus. Aber heute ist mein erster Geburtstag – Und das, obwohl ich vor 2 Wochen 39 Jahre alt geworden bin. Heute vor einem Jahr habe ich – entgegen meiner sonstigen Gewohnheiten – nicht den ganzen Morgen (und die halbe Nacht zuvor) damit verbracht, mich zu überwinden, zur Arbeit zu gehen. Grübeln, was mich wohl heute erwartet. Woran ich heute wieder verzweifeln werde. Fragen, warum ich mir das alles antue – und, ob es nicht einfacher ist, diese traurige Existenz einfach zu beenden.
Heute vor einem Jahr habe ich zwar trotzdem viel gegrübelt – auch darüber, was mich wohl erwarten wird. Aber ich bin nicht zur Arbeit gegangen. Vier Tage zuvor (es war ein Freitag) habe ich einen Anruf bekommen, das ich diesen Dienstag, den 23.01.2013 in der Psychosomatischen Tagesklinik der Schön-Klinik Hamburg-Eilbek erwartet werde. Ich habe die Chance ergriffen – wie ein Ertrinkender, der nach dem zugeworfenen Rettungsring greift. Das Wetter war genauso trübe, kalt und grau wie heute. Und den ganzen Weg habe ich überlegt, was das überhaupt bringen soll.
Heute vor einem Jahr habe ich angefangen zu begreifen, das es im Leben noch etwas anderes gibt als graue Schleier, finstere Löcher, Angst und Verzweiflung. Das es Menschen gibt, die einem helfen können. Und – mit am wichtigsten – ich habe gemerkt, das ich mit meinen geistigen Dämonen nicht alleine bin. Neben dem Klinikpersonal habe ich auch andere, tolle Menschen kennen gelernt. Eine Erfahrung, die ich um nichts in der Welt wieder hergeben möchte. Ich habe gelernt, die ersten Schritte aus meinem eigenen Labyrinth – erbaut aus Angst und Depression – zu tun. Ein Weg, der nicht leicht zu beschreiten ist – aber der sich trotzdem lohnt. Gibt es doch im Leben so viel mehr zu entdecken als trübes Grau.
Ich bin zwar immer noch dabei, meinen Weg zu finden – aber meine Schritte sind sicherer geworden; und nicht auf jeden vorsichtigen Schritt voran folgen mehrere Rückschritte. Für die Hilfe bei den ersten Schritten möchte ich „Danke“ sagen. Meinen Therapeutinnen, der Sozial-Arbeiterin und nicht zuletzt auch dem Stationsteam. Ohne euch wäre ich in der Mitte meines Labyrinthes liegen geblieben.
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