Jetzt gerade …

Jedes mal, wenn ich mich frage ob die Depression es erst einmal aufgegeben hat, sich immer in den Vordergrund zu stellen – Dann kommen Momente Tage wie dieser. Dabei fing er doch eigentlich positiv an. Ich habe tatsächlich eine Nacht durchgeschlafen. Zwar auf der Couch – ich dachte, ich schaffe noch die letzten 20 Minuten von Constantine, das war offenbar ein Irrtum. Aber immerhin: 7 Stunden geschlafen. Ohne andauernd aufzuwachen. Ohne unruhiges hin- und her wälzen. Eingeschlafen ohne Atem-Meditation, oder sonstigen, langen Kampf. Ich war schlichtweg so müde das der Verstand einfach irgendwann in Standby gegangen ist.
Heute Vormittag wollte ich zum Yoga – das habe ich aufgegeben, weil ich in Ruhe frühstücken wollte – ohne mich abhetzen zu müssen. Es wäre sonst zu knapp geworden – und so ganz ohne was zu essen wollte ich auch nicht los. Also zog sich das Frühstück etwas. Länger. Und danach kreisten die Gedanken wieder – um (m)ein Herzensthema. Und irgendwann war schwärze – Der Verstand hat es wohl vorgezogen, in den Standby zu gehen. Vermutlich hat mein Körper mittlerweile einfach gelernt, das Schlaf eine effektive Waffe gegen Melancholie, Gedankenspiralen oder die Realität ist.
Und nach dem Aufwachen? Man ist nur unzufriedener als vorher. Der Lösung irgendeines Problems nicht einen Millimeter näher gekommen. Und weiss schon: Es wird eine lange, schlaflose Nacht. Obwohl … manche Träume schon zu schön sind, um wahr zu sein.
Und die Herzensangelegenheit? Nachdem ich eine Antwort bekam, habe ich gestern wieder zurück geschrieben – nicht viel, nur ein paar Liebe Grüsse und die Hoffnung, sie möge auch mal Zeit haben, das Bombenwetter da zu geniessen. Was ich gerne geschrieben hätte wäre eher so etwas wie: Dein wundervolles Lächeln fehlt mir, welches mich die Anstrengung beim Training kurz vergessen lässt. Oder deine aufmunternden Blicke, wenn die Tanzschritte mal wieder nicht so wollen wie ich. Und noch mehr – aber da macht die Angst nicht mit. Und das ist wieder ein gefundenes fressen für die Depression.
Ich könnte ihr das natürlich schreiben. Im Geiste hab ich die Mail schon ein, zwei male geschrieben.
Die Angst streut Zweifel über Zweifel in den Verstand. „Wenn sie das erschreckt?“, „Wenn sie keinen engeren Kontakt möchte?“, „Wenn alles wird wie die letzten male?“ oder „Ist eine ungewisse Möglichkeit nicht besser als eine unmögliche Gewissheit?“
Die Depression reibt sich die Hände. „Was willst du? Mach dich nicht lächerlich …“, „Wovon träumst du nachts?“, „Das ist eh chancenlos …“, „Ja nee – iss klar …“
Ein geradezu niederschmetterndes Duo. Manche Menschen haben Engelchen und Teufelchen auf den Schultern sitzen. Bei mir hat Teufelchen offenbar Engelchen erschlagen, macht Urlaub und hat seine beiden Kumpels Angst und Depression mit der Vertretung beauftragt. Ablehnung brauche ich nicht – Menschen mit Depressionen können sich ausreichend effektiv selber fertig machen.
Und nun? Ich werde mir meine Querflöte schnappen und ein paar traurige Lieder trällern.
Scarborough Fair„, „Think of me“ oder so etwas in der Art.
„Was sollen die Nachbarn denken? Ist das nicht zu laut? Und schaffst du das überhaupt schon wieder?“ flüstert die Angst.
„Du übst nicht genug – so wird das nie etwas!“ Flüstert die Depression.
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2 Gedanken zu “Jetzt gerade …

    • Um „Was wäre, wenn …“ ging es mir zwar in dem Post nicht – aber natürlich kann man das auch darauf runterbrechen. Ein gewisses Maß davon finde ich ja auch OK. Ohne die Möglichkeit, sich vorzustellen, was man wie machen könnte – und wie die daraus erfolgten Konsequenzen aussehen könnten – gibt es keinen Grund, etwas in seinem Verhalten oder Vorgehen zu ändern.
      Mir ging es mehr um das „Duo Infernale“ Angst & Depression – wie die beiden es immer wieder hinbekommen, so ziemlich alles im Keim zu ersticken.

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